Ausstellung im Zahnärztehaus

­Die Ausstellung kann bis auf weiteres nicht besucht werden.

Ohne Titel, Bunt- und Zeichenstift auf Papier, 2019 x 70 cm Ohne Titel, Bunt- und Zeichenstift auf Papier, 2019 x 70 cm

Anja Kaufhold - ORTEN - Zeichnung und Malerei

Eine Stelle, ein Platz, eine Landschaft oder eine Gegend sind Orte, die wir betrachten, vermessen oder an denen wir uns orientieren. An einem Ort fühlt man sich zu Hause und an einem anderen unwohl oder fremd. Orte prägen unser Denken und Wahrnehmen, sei es unberührte Natur oder die vom Menschen geprägte Landschaft. Nicht ohne Grund wird seit der Antike das Besondere eines Ortes, der genius loci, in Poesie, Religionen und Kunst beschrieben und fasziniert die Menschen. Im althochdeutschen Wort ort wird mit der Bedeutung von Spitze, Endpunkt oder Ecke, die herausgehobene Stellung einer Markierung besonders deutlich. So richtet man an einem Ort seine Position aus und findet Orientierung und Halt. Dieses Orten, das Ausrichten und Fokussieren, vollzieht auch die Künstlerin Anja Kaufhold in ihren aktuellen Arbeiten. Auf ihren Reisen in die Türkei, nach Südeuropa oder innerhalb Deutschlands lässt sie sich von den Eindrücken treiben und durchdringen. Sie nimmt hier und da eine Inspiration aus Häusern, Bergen, Wasser oder Luft auf und setzt das Gesehene in einem Dialog zwischen Innen und Außen zeichnerisch um. Ihre farbenreichen Ideen sind Verläufe, die sich analog zu einem mäandernden Weg durch eine Landschaft mal verdichten und wieder auflösen. Dabei wirkt die kräftige Farbigkeit, kombiniert mit schwarzer Rahmung, zeitweise comichaft und streng, wird jedoch durch freie, kleinteilige Formenspiele immer wieder durchbrochen. In der Ausstellung ORTEN zeigt die Künstlerin neue Werke, die eine Melange aus Abstraktion und Gegenständlichkeit darstellen. Zwar erschafft sie wie in ihren früheren Arbeiten Gebilde, die sich im Prozess des Entstehens oder Ineinander-Übergehens befinden – ein unendlich erscheinender Fluss, ein freier Tanz aus Form und Farbe – doch er scheint gebannt. Fiktive Landschaften entstehen, die von der Realität beeinflusst sind.
Früher gingen in ihren Arbeiten Formen ineinander über und ergossen sich in ornamentalen Geflechten in den Raum, der in einem warmen Weißton oft undefiniert blieb. Noch immer zerfließen Farben und umfließen sich zugleich und scheinen sich tastend zu berühren. Aber zwischendrin sind Häuser und Segelboote zu erahnen und deutlich, die vom Süden kündenden Zypressen. Es sind Landschaften mit Siedlungen, Gebirgen und Gewässern, die dem Betrachter vertraut erscheinen und vom Sommer und Urlauben künden. Die Werke erzeugen Assoziationen, lassen sich aber nur schwer konkretisieren. Das ist die Stärke dieser abstrakt-realen Arbeitsweise von Anja Kaufhold. Die Kunstwerke sind greifbar und entziehen sich dennoch dem Betrachter, als wöllten sie ihr Sein nur andeuten und zum Träumen anregen. Es sind Werke zwischen Welten. Sie leiten den Blick des Betrachters über den eigenen Horizont hinaus.
In den Szenerien sind die kräftigen Farbtöne Blau, Gelb, Grün und Rot in Kombination mit schwarzer Rahmung und Linienführung die prägenden Elemente. Die teilweise strengen Farb- und Formgrenzen vermischen sich bei wechselnder Betrachtungsperspektive mit weichen Übergängen und Farbverläufen. Farbmischungen werden erzeugt. Begrenzungen und Grenzen lösen sich auf. Orte entstehen und vergehen. Die Künstlerin arbeitet mit dem Perspektivwechsel von Nah und Fern, von Groß und Klein sowie von Detail- und Gesamtansicht. Es ist wie ein dialektisches Spiel von Chaos und Ordnung. Gerade durch das Aufbrechen von geordneten und zugleich einengenden Grenzen wird Harmonie freigesetzt. Es ist naheliegend, dass sich die Künstlerin in ihrer Arbeit durch Bewegung, dem Unterwegssein und Reisen inspirieren lässt. Das Motiv des Werdens und Vergehens ist in ihren Werken gleichermaßen präsent wie es in der Natur zu beobachten ist. Es ist auch ein Prozess, der sich auf ihre Arbeitsweise überträgt und mit der Anja Kaufhold die Aura der Orte einfängt.
Und ebenso scheinen sich die Form- und Farbflächen im Unendlichen zu verdichten, wieder aufzulösen und ineinander überzugehen. Sie erzeugt neue Orte, die dem Betrachter in der eigenen Welt Orientierung verschaffen – ihn orten. Mehr noch. Die Künstlerin experimentiert in ihren Zeichnungen, aber auch mit Öl und Acryl, um dem Licht, der Luft und der Atmosphäre von Landschaften nahezukommen. Analog wie William Turner das Spezifische des Augenblicks eingefangen hat, löst Anja Kaufhold in einigen Werken sich vollkommen von Raum und Zeit. Darin wird der Augenblick zur Farbe und der Ort zur Unendlichkeit.


Dr. Michael Wächter


Ohne Titel, Bunt- und Zeichenstift auf Papier Ohne Titel, Bunt- und Zeichenstift auf Papier

Biografie
2019
Artist in Residence im Künstlerhaus Lauenburg
2018 + 2019
Artist in Residence Künstlerdorf Worpswede
2017
Artist in Residence Frankreich/Galan
2015
Artist in Residence in Schweden/Malmö
2013
Mitglied im Neuen Sächsischen Kunstverein e.V.
2013
Artist in Residence in Polen/Sankt Annaberg
2012
Projektleitung Erinnern für die Zukunft
2012
Kuratorin der Gemeinschaftsausstellung Schichtwechsel
2012
Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK)
2011
Atelier in Dresden-Striesen
2008 + 2010
Artist in Residence im Künstlerhaus Jerxheim
2007
Mitglied in der VG Bild Kunst
2005–2008
Studentin der Hochschule für bildende Künste Braunschweig
1999–2014
Studienreisen nach Zypern, Barcelona, Prag, Paris, Wien, Mallorca,
Amsterdam, Singapur, Florida, Breslau, Istanbul, Malaga, Lissabon, Budapest
und Vietnam
1967
geboren in Braunschweig


Einzelausstellungen (Auswahl)
2019
Galerie der Drewag, Dresden
2018
KunstgalerieHans, Dresden
2016
Kunstraum Web.21, Görlitz
2016
Kunstverein Meerane
2016
Galerie der Ingenieurkammer Sachsen, Dresden
2015
Galerie der Volksbank Raiffeisenbank, Dresden
2014
diegalerie, Dresden
2013
Galerie der Kanzlei Lippert, Stachow & Partner, Dresden
2013
Galerie Blaue Fabrik, Dresden
2012
Galerie Artclub, Köln
2011
ArtGalerie Rimaju, Hamburg
2008
Galerie der IAV, Berlin
2007
AOK galerie, Braunschweig
2007
Museumsgalerie Hornburg
2005
Galerie der Nord/LB, Wolfenbüttel


Ohne Titel, Acryl auf Leinwand, 2019 Ohne Titel, Acryl auf Leinwand, 2019




Ohne Titel (Schichtwechsel), Acryl auf Leinwand Ohne Titel (Schichtwechsel), Acryl auf Leinwand

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Stand: 19. März 2020