Ausstellung im Zahnärztehaus

Die Fotografien sind bis zum 26. Januar 2018 immer Montag und Dienstag sowie Donnerstag und Freitag  14-16 Uhr zu sehen.

Elsterheide, 2012 Ehemaliger Tagebau Spreetal, Elsterheide, aus: „Urlandschaft“, 2012

Roots and Wings – Fotografien von Jan Oelker

„Roots and Wings“ – Wurzeln und Flügel – dieses Zitat aus dem Buch „Im Zeichen der Stille“ von Fabienne Verdier beschreibt zwei der Sujets in mei-ner Fotografie, die eng mit meinem beruflichen Werdegang und meiner Biografie verbunden sind.
Roots, die Wurzeln, stehen dabei für die Herkunft, die Heimat. Ich wuchs in Cottbus auf, lernte und arbeitete im Kraftwerk Boxberg und studierte Kraftwerkstechnik an der Sektion Energieumwandlung der TU Dresden. Mei ne beruflichen Wurzeln hatte ich im Braunkohlenrevier der Lausitz.
Wings, die Flügel, stehen für den Aufbruch, die Öffnung für neue Horizonte, für neue Ideen. Nach der Wende arbeitete ich zunächst noch als Ingenieur für eine Windenergiefirma, hatte aber schon den Weg zur Fotografie eingeschlagen.


Als Fotograf verfolge ich die Entwicklung der Windenergie seit 1992 mit der Kamera. Ich arbeite für verschieden Firmen und Fachzeitschriften im Bereich Windenergie in Europa, fotografierte für Auftragsarbeiten aber auch in Kanada, den USA und in China.
Immer wieder zieht es mich für Fotoprojekte in die Lausitz: in den Neunzigerjahren dokumentierte ich dort das Sterben der Brikettfabriken. In den Nullerjahren arbeitete ich im Energiegarten e. V. an Ideen für neue Energielandschaften mit, ein Projekt, das mit der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land kooperierte.

In der  Ausstellung im Zahnärztehaus Dresden sind Bilder gegenübergestellt, die sich dem Thema der Energiewandlung im weiteren Sinn nähern. Für die „Roots“ stehen die Bilder aus den Tagebauen der Lausitz, für „Wings“ – im doppelten Sinne – die Bilder von Flügeln, von den Rotorblättern der Windenergieanlagen. Letztere Aufnahmen entstanden zumeist bei Auftragsarbeiten, jedoch losgelöst von Reportage oder Dokumentation. Mich beeindruckt die grazile Form der Rotorblätter. Sie sind das Herzstück moderner Windkraftanlagen, die die Strömung des Windes in eine mechanische Energie wandeln. Ihre Gestalt wird wesentlich durch die Aerodynamik bestimmt. Die Ähnlichkeit der Linien dieser technischen Bauteile zu natürlichen Formen wie Vogelschwingen, Flossen oder Schneeverwehungen sind daher geradezu zwangsläufig. Die Bilder aus den aktiven und stillgelegten Tagebauen der Lausitz entstanden für zwei Kalenderprojekte „Wüsten“ und „Urlandschaft“. Dabei handelt es sich zumeist um Luftaufnahmen. Aus der Vogelperspektive betrachtet, übt diese Landschaft im Umbruch eine starke Faszination auf mich aus. Das Projekt „Wüsten“, größtenteils noch analog fotografiert, zeigt Tagebau-Landschaften, menschengemachte Wüsten, oder besser gesagt: Verwüstungen. Die Serie „Urlandschaft“ entstand auf dem Gebiet der großen Rutschung am Bergener See. Mit den eher konstruktivistischen Formen geplanter oder technisch geprägter Landschaften haben diese bizarren Figuren, die nun meine Phantasie entfachten, jedoch nichts gemein. Ich sah einen „Zoo von Fabelwesen“, wie in den abstrakten Bildern informeller Malerei. Da ist keine technokratische Ordnung zu erkennen. Es scheint wie das anarchische Werk von Naturgewalten.

Jan Oelker






Rotorblattproduktion bei Areva Blades in Stade, 2013 Rotorblattproduktion in Stade, aus: „Flügel“, 2013


Biografie
  • 1960 geboren in Dresden, aufgewachsen in Cottbus  1982 bis 1990     Maschinenbaustudium und Arbeit als Diplom-Ingenieur für Kraftwerkstechnik an der TU Dresden
  • 1985 bis 1989 Reisen nach Mittelasien, Sibirien und in den Kaukasus dabei intensive Reisefotografie und Diavorträge
  • seit 1991 freiberuflich tätig als Fotojournalist. Themenschwerpunkte sind das Verhältnis von Mensch und Umwelt (u.a. Braunkohlebergbau in der Lausitz, Entwicklung der Windenergie in Deutschland), und Reisereportagen
    mehrmonatige Reisen auf die Halbinsel Kamtschatka
    Reisen auf die Tschuktschen-Halbinsel und nach Alaska
    daraus resultierten Ausstellungs-, Buch- und Filmprojekte
  • seit 1998 lebt und arbeitet in Radebeul
  • 1999 bis 2005 Arbeit an dem Foto- und Buchprojekt „ Windgesichter“ über diejüngere Geschichte der Windenergienutzung in Deutschland
  • 2007/2008 Fotoprojekt 110 Jahre Künstlerhaus Dresden
  • 2008/2009 Fotodokumentation zur Errichtung des ersten deutschen Offshore-WindparksAlpha Ventus 
    Reisen für Reportagen durch China, Russland, die Mongolei, Osteuropa und den Iran



Rekultivierungsfläche im Braunkohle-Tagebau Nochten, 2016 Rekultivierungsfläche im Braunkohle-Tagebau Nochten, aus: „Wüsten“, 2016

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Vor- und Rückschau

Stand: 9. Oktober 2017